Eine Geschichte über ein Brautpaar und den richtigen Fotografen

Es geht um unbezahlbare Momente. Vielleicht liest man das hier viel zu oft. Aber ich glaube, das kann man auch nicht oft genug sagen.
Das muss unter die Haut. Das muss man fühlen. Erinnert ihr euch an die Braut, die ein After-Wedding-Shooting wollte? Eins, der Besonderen Art?
Eins, das ich ihr so nicht geben konnte? Hier habe ich euch davon erzählt.

Ich bekam eine Mail einer Braut, in der eine Traurigkeit lag, die mich ganz still werden hat lassen.
Sie hat nichts falsch gemacht. Sie und ihr Mann haben einen Profi engagiert. Einen, der weiß was er macht. Der sein Geld wert sein sollte. Und das auch irgendwie war. Es gibt viele Bilder über den Tag verteilt. Es ist nur, dass etwas fehlt. Es fehlt das Gefühl.
Es fehlt die Liebe. Die Beiden haben 35 Bilder von sich als Paar bekommen. Auf einem, auf einem einzigen sehen sie sich so an, wie sie sind und wie sie füreinander fühlen. Und dieses Bild lässt mich wirklich lächeln. Aber es ist nur eins. Der Rest ist schön, wirklich schön, nur, irgendwie… Kunst. Es ist Kunst. Es ist wirklich schön, nur irgendwo fehlt irgendwie zwischen den Momenten die Liebe und Freude. Und viel schlimmer für die Braut war, dass es ganz entscheidende Momente und Details gibt, die fehlen. Mit ihrer Familie. Sie hat kein Bild mit ihr. Überhaupt ist ihre Familie kaum zu sehen. Die Menschen, die sie immer begleitet haben, die hinter ihr stehen, die sind einfach nicht wirklich dabei. Kein herzhaftes Lachen, keine Umarmungen. Kleine Details die an liebe Menschen erinnern und mit so viel Liebe und Sorgfalt ausgesucht und in die Hochzeit integriert wurden, fehlen einfach. Und wenn die Beiden ihre Bilder so ansehen fangen sie an sich zu fragen, ob sie an diesem Tag nicht sie selbst waren. Ob sie zu angespannt waren, zu gestresst. Weil sie nirgends ihr Lebensgefühl wieder finden. Und wenn ich so etwas höre, dann macht mich das wahnsinnig traurig.
Wir Fotografen sind auch nur Menschen, wir sind keine Maschinen mit hundert Paar Augen die überall gleichzeitig sein können. Aber, und das, das unterscheidet vielleicht die einen, von den Anderen, wir können die Dinge mit Liebe betrachten. Eine Hochzeit ist keine Kunst und sie ist auch kein Auftrag, der erledigt werden muss.
In dem Moment, wo es unsere Aufgabe wird, sie festzuhalten, verbürgen wir uns für die Liebe.
Wir werden ihr Augen. Wir sollten alles so ansehen. Wir sollten wissen und fühlen, welche Menschen Bedeutung haben. Was wirklich wichtig ist. Denn es geht nicht um Kunst. Es geht um unbezahlbare Momente für zwei Menschen, die die Liebe feiern, die Freundschaft und das Leben.
So fühle ich das. Und wenn man so fühlt, dann erkennt man die kleinen Momente. Man erkennt sie. Und man hält sie fest. Und dann, dann sitzen zwei, füreinander gemacht Menschen auf dem Sofa und lächeln. Sie lächeln immerzu, weil sie sich wiederfinden. Oder eben nicht.

Wie sollte ich dieser Braut also erklären, dass ich ihr das nicht wieder bringen kann. Dass es Dinge gibt, die man einfach nicht wiederholen kann, egal wie sehr man das auch versucht.
Man kann Momente nicht wiederholen, die vergangen sind. Das geht geht nicht und was wird es nie. Aber. Man kann neue Geschichte schreiben.
Das ist das, was ich weiß. Man kann neue Geschichte schreiben.
Und genau das haben wir getan. Auf einer kleinen Lichtung direkt hinter ihrem Haus haben die Beiden sich ihr kleines Wunderland erschaffen. Auf unzähligen Flohmärkten waren sie und haben für all ihre Gäste unterschiedliches Geschirr zusammengesammelt, haben Gläser angemalt und Deko gebastelt. Haben ihre Zeit gemeinsam in Süßigkeitenläden verbracht und probiert und probiert um eine riesige Candy-Bar zu füllen. Und das war auf ihrer Hochzeit auch dabei. Es war alles so da wir an diesem Nachmittag auch. Natürlich nicht gleich. Viel kleiner und einfacher.
Aber es war da. Und wir haben genau die Momente für Annelie gezaubert, die die sich von Herzen so gewünscht hat. So wie sie ist, wie ihre Liebe ist, wie ihre Familie ist. Leicht, lebendig, voller Liebe und echt. Pur.

Es geht nicht darum den besten Fotografen zu finden, den günstigsten oder den was auch immer.
Das habe ich aus dieser Geschichte gelernt. Es geht darum, jemanden zu finden, der so fühlt, wie man selbst. Der die Welt so sieht wie man selbst und bei dem das Bauchgefühl Purzelbäume schlägt. So ist das. Genau so. Seht euch nicht 10 Brautpaarbilder an, lasst euch ganze Hochzeiten zeigen. Und nicht nur eine, sondern viele. Und dann, dann findet heraus, was ihr schön findet – und was euch berührt. Schönes werdet ihr vieles finden. Versprochen. Aber was euch berührt, was euch wirklich berührt, weil ihr seid, wer ihr seid, das ist viel seltener, als dass ihr etwas schön findet.

Das ist wie mit dem Lachen. Immer höre ich, lach doch mal. Ihr kennt das. Die Mama fotografiert und sagt, „Lach doch mal“.
Ich sage das nie. Ob ein Lachen nur schön ist oder einen wirklich berührt und mit lächeln lässt entscheidet nie, niemals das Lachen. Der Mund, die Lippen, die Grübchen. Ob ein ein Lachen ansteckt und verzaubert, das liegt in den Augen. Darin liegt es. Das Lachen. Die Liebe.
Und so ist es mit allem.
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