Heimwehflimmern

kontrast (63)

Hab Heimweh nach Ferne. Zuhause schnürt mir die Luft ab. Es gibt Tage, da passt mir hier nichts. Da ist alles zu klein und ich zu groß oder umgekehrt, aber ich gehe unter. Da ist alles zu laut und ich zu leise, alles zu unbedeutend und ich so schweigsam, dass der Lärm mich wahnsinnig macht. Jedes hängende Wort im Raum macht mich müde, macht mich still. Nur die lautlosen Schneeflocken im Wind dämpfen den Tumult um mich herum, legen einen lichten Schleier Ruhe auf die ganze Hektik, entschleunigen das rastlose Treiben auf den Umlaufbahnen neben mir. Ich muss raus hier. Überall hin, nur du musst bei mir sein. Irgendwo hin, wo nur die Wellen sich bewegen, nur die Wolken um uns ziehen, nur die Sterne kreisen. Wo wir ruhig liegen bleiben können, ohne in einer Starre der Bewegungsunfähigkeit zu verharren. Wo es egal ist ob ich die Sekunden der verstrichenen Minuten vorwärts oder rückwärts zähle, weil du bei mir bist und deine Atemzüge mein Stundenglas sind. Ich will raus hier. Irgendwohin, wo Stille uns wieder auffüllt. Irgendwohin, wo Regentage einfach Regentage sind, die man mit einem guten Buch und einer Tasse warmer Milch mit Honig genießen kann. Ich Jane Austen, du Anna Karenina. Weil wir Zeit haben. Mein Kopf in deinem Schoß und deine freie Hand in meinem Haar. Mit meiner Wolkenwolldecke um unsere Fü.e und beschlagenen Fensterscheiben von deinem heißen Tee.
Ich will raus hier, überall hin, nur du musst bei mir sein, weil du aus allem Heimat machst.

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