Schattenflüsterer.

tegernsee_7

Ich, ganz klein. Und vor mir ein Berg. Mein Blick fährt über jeden Stein, bis zum Gipfel. Nichts entgeht mir. Ich betrachte jedes kleine Stück, aber im Ganzen schaue ich ihn nicht an. Der Anblick würde mich erschlagen. Entmutigen. Die Schuhe, die ich mir eben noch geschnürt hätte, wären mir dann nicht mehr sicher genug, um unversehrt die Spitze zu erreichen. Meine Furcht, abzustürzen, wäre größer als der Berg selbst. Obwohl ich ganz genau wüsste, wohin ich treten muss, um unversehrt den höchsten Punkt zu erreichen, würde ich einen Schritt zurückgehen, weil mein Mut nicht groß genug wäre. Ich, ganz klein. Und vor mir mein Schweigen. Ich kenne jede Leerstelle, jedes ausgelassene Wort, jeden Zeilenumbruch. Alle ausgeschwärzten
Sätze. Ich kenne jede Fuge, in der meine Stimme verschwinden könnte, würde ich anfangen zu sprechen. Würde ich anfangen meine Stille zu brechen. Ich müsste nur ein Wort an das andere setzen, nicht einmal laut, um meine Lautlosigkeit am Wipfel zu zerschlagen. Der Aufstieg bestünde nur aus Reden, nichts weiter, und oben würde meine Lunge sich aufblähen, bis mein Atem lang genug wäre, um mich von mir los zu schreien. Ich, ganz klein. Und vor mir ein Berg. Ich, ganz klein. Am Fuße meiner Angst vor der eigenen Stimme und deren Klang, wenn sie mich verletzlich macht. Ich, ganz klein, um meine Schultern deine schützenden Arme. Und vor mir ein Hügel.

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