Sterbendleben.

kontrast (50)Manchmal steht man einfach neben sich und schaut zu wie man sich verliert. Man steht einfach daneben und ist machtlos. Aber das ist schon gut so. Das muss manchmal so sein. Wir müssen manchmal neben uns stehen und uns beim Verlieren zusehen, damit wir das Glänzen in unseren Augen bemerken und die Regung in den Mundwinkeln. Damit wir sehen wie wir verloren gegangen sind, damit wir verstehen. Wir müssen manchmal neben uns stehen und zusehen wie wir ertrinken, ersticken und verschwinden. Um zu erkennen wie hilflos wir manchmal sind, schutzlos verloren, unseren Gefühlen ausgeliefert. Wir stehen da und können unsere eigene Hand nicht fassen, wir können uns nicht retten. Unsere Konturen verblassen vor unseren eigenen Augen und das ist okay so. Es ist wirklich okay. Es ist okay sich zwischen Welten zu verlieren, zwischen Herzen und Worten unterzugehen, in den Schatten Anderer zu verschwinden und in irgendeinem Gefühl, in irgendeiner verlorenen Seele zu ertrinken. Es ist okay zuzusehen wie man sich auflöst und in Anderen neue Farbe findet und es ist okay wenn man dabei zerbricht. Das ist das Leben. Wir sehen uns dabei zu, wie wir untergehen und können uns nicht retten. Wir erreichen uns nicht. Aber bevor die letzte Welle uns in die Tiefe reißt, erkennen wir einen Funken Glanz in unseren leeren Augen, ein leichtes Lächeln auf unseren tauben Lippen, wir fühlen wie uns ein befreiender Atemzug streift. In diesem Moment schreit unsere geschundene Seele nach Hilfe. Wir sind nur das,  wofür wir kämpfen und uns selbst zu retten ist alles, was uns bleibt, wenn wir überleben wollen. Wir werden immer und immer wieder verschwinden und ertrinken und wir werden immer wieder neben uns stehen und zusehen wie wir wieder zwischen den Zeilen auftauchen, mit Narben und Kerben auf der Seele, mit Schatten in den Lücken und Salz in den Wunden. Und das ist okay so, denn wir werden alles überleben. Und jedes Mal, wenn uns das Meer verschlingt, werden wir ein Lächeln blitzen lassen und unsere Lippen werden ein stummes ‚Hilfe’ formen, weil wir wissen, wir stehen neben uns und wir können uns retten, wenn wir zurück zu uns selbst finden. Manchmal stehen wir neben uns und sehen zu wie wir sterben um zu überleben.

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