Sturmflutgewitter.

Türkei_24_1_600Ich glaube, wir brauchen alle jemanden, der uns meer sein lässt. Wir brauchen jemanden, der seine Finger um unsere legt und sie sachte drückt, damit das Reden leichter fällt. Der versucht, das Lächeln zu sein, das uns Wärme gibt, wenn die kalten Winde sich in unsere Richtung drehen. Jemanden, der sich an uns erinnert. Der vor uns an dem Ort ist, an dem wir uns verlieren werden, oder wenigstens rechtzeitig, um uns zu retten. Der uns in unserem Windschatten folgt, sich hinter jeder Ecke versteckt, wenn wir niemanden bei uns haben wollen. Wir brauchen jemanden, der für uns atmet, wenn unsere Lunge sticht, der für uns schreibt, wenn uns die Worte fehlen. Der seine Schuhe auszieht und sich neben uns in den Regen stellt. Jemanden, der uns an den Stellen festhält, wo wir am zerbrechlichsten sind. Der jeden unserer Fehler sieht, ohne uns loszulassen. Ich glaube, wir brauchen alle jemanden, der ein feuchtes Tuch auf unsere aufgeschlagenen Knie legt und sich solange neben uns setzt, bis wir Anstalten machen aufzustehen. Jemanden, der nicht fragt wieso wir hingefallen sind, sondern ob es weh tut. Wir brauchen jemanden, bei dem sich unsere Sätze überschlagen können, bis sie keinen Sinn mehr ergeben, der nicht hinterfragt, wenn wir still werden und der uns schweigen lässt. Jemanden, der unser Flüstern hört und das Brechen in unserer Stimme. Unser leises Schreien, wenn wir schlafen. Wir brauchen jemanden, der uns nicht aus dem Wasser zieht, wenn wir gerade auf ein Unwetter zutreiben, sondern mit uns schwimmt, damit wir nicht alleine um unser Überleben kämpfen, wenn die Flut uns überrollt. Jemanden, der nie vor uns geht, es sei denn ein Sturm zieht auf. Ich glaube jeder braucht jemanden, der an einem festgewachsen ist, der nicht verschwindet, dessen Nähe immer dieselbe bleibt. Der bereit ist, sich unsere Schuhe anzuziehen. Der uns fühlt. Jemanden, der uns die Augen zuhält, wenn die Angst vor der Türe steht. Jemanden, der uns träumt, wenn wir nicht schlafen können. Wir brauchen jemanden, der das Licht zwischen unseren Sätzen anzündet. Der die Leerstellen füllt, die uns manchmal verschlingen, weil wir der Stille unserer eigenen Worte nicht standhalten können. Wir brauchen jemanden, dem es egal ist, wie dunkel und verdreht wir sind, wie lückenhaft und kaputt. Dem alles, was wir sein können, egal ist, weil er uns kennt. Wir brauchen jemanden, der weiß, wer wir sind. Der uns erkennt und erkennen will. Der uns ansieht und alles betrachtet, was wir zu geben haben, ohne zurückzuweichen. Der uns immer gleich ansieht. Jemanden, für den nur zählt, was wir für ihn sind. Wir brauchen jemanden, bei dem wir uns nicht vermissen.

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