Wir.

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Du und ich, wir sind nicht wie die Anderen. Wir haben nicht mit dem Verliebtsein angefangen, keine Schmetterlinge im Bauch, keine Teenieküsse, keine lila Wolken. Verliebt waren wir, als niemand hingesehen hat, als wir noch dachten älter werden heißt erwachsen werden und erwachsen sein ist furchtbar cool. Verliebt waren wir, als Handys noch mehr als drei Tasten hatten und eine SMS 19 Cent gekostet hat. Die Ameisen im Magen kamen als die Zahnspangen gingen und die Schmetterlinge sind davongeflogen als wir in den Armen anderer lagen und dachten wir seien angekommen, weil sich alles richtig angefühlt hat, in der immer größer werdenden Taubheit unter unserer Haut. Der erste Kuss war leise und alle anderen heimlich und unser Himmel immer dunkel. Wir sind anders. Unsere großen Momente haben wir immer im Regen. Wir brauchen immer erst ein Fünfvorzwölf, ein Mitternachtsgewitter im Winter, um unsere Blätter zu wenden. Bauen unser Fundament auf Luftschlösser, weil uns der feste Boden nie gereicht hat. Daran sind wir immer nur zerbrochen und der Treibsand war nicht wendig genug für unsere Schnelllebigkeit. Wir sind unsicherer als das Wetter an der Nordsee und es macht uns nichts aus, weil wir aneinander festgewachsen sind, egal wo wir verloren gehen.* Rudern immer wieder hilflos mit den Armen, während wir panisch versuchen den anderen vor dem Ertrinken zu retten. Tauchen immer tiefer, um höher zu fliegen.
Wir zwei, Nichtschwimmer verliebt in das Meer.
Wir sind leise.

*Mit den Jahren sind wir einander oft verloren gegangen. Zwischen den Monaten, vergessenen Antworten, heimlichen Küssen, lautlosen Schreien. Zwischen Schwindel und Ohrensausen, zwischen Herzrasen und Atemnot.
Ich war nie verloren. Ich wusste nicht, dass man sich selbst verloren gehen kann. Dass es möglich ist, heimatlos im eigenen Körper zu sein. Ich wusste das nicht, bis du mich angesehen hast, an diesem kalten Nachmittag im Winter, als Schlaghosen noch in waren. Bis zu diesem Tag war ich mir immer sicher, dass mir nichts fehlt, was ich verlieren könnte, unzählige Male. Aber vielleicht bin ich auch nur ein einziges Mal verloren gegangen. Als du mich gefunden hast.

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